VangelisVangelis

Dies ist das Porträt eines absoluten Phänomens. Jeder kennt irgendeines oder mehrere seiner Werke, nicht alle wissen, dass sie von ihm stammen, und noch weniger Menschen wissen, wer er eigentlich ist. Man weiss nur, dass er es seit den 70er Jahren immer wieder schafft, durch aussergewöhnliche Werke Aufsehen zu erregen, mit denen er sein extrem vielseitiges, künstlerisches Werk immer wieder durchsetzt. Wer hat nicht damals in der Fernseh-Serie "Unser Kosmos" Carl Sagan gelauscht und sich gefragt, von wem diese fantastischen Klänge stammen, die den Wundern des Universums erst ihre glitzernde Bedeutung verleiht hat? Wer hat sich nicht bei der antarktischen Musik des früheren Kristall-Signets des Schweizer Fernsehens nach dem Komponisten gefragt? Zu seinen Werken gehören Nummer 1-Hits wie "I'll find my way home" und "Voices" sowie die Filmmusiken zu so aussergewöhnlichen Welterfolgen wie "Blade Runner" mit Harrison Ford, "Missing" mit Jack Lemmon, "Bounty" mit Mel Gibson und Anthony Hopkins, "Bitter Moon" von Roman Polanski, der atemberaubende Kolumbus-Film "1492" mit "Conquest of Paradise" und vor allem das unvergessliche "Chariots of Fire", das nun wirklich absolut jeder schon mal gehört hat und für das es 1980 den Oscar abgesetzt hat!

Jeder kennt Vangelis, aber keiner kennt ihn. Evangelos Papathanassiou versteckt sich in seiner Kreativität, und man kann ihn nur hören, aber nicht sehen. Und doch ist das der beste Zugang zu seinem Wesen, und er hat mich musikalisch mehr inspiriert als irgendjemand sonst. Seine Kompositionen sind artistische Konstruktionen aus Klang und Melodie, denen ich ständig auf der Spur bin, ohne sie jemals erreichen zu können. Wenn ich etwas von ihm höre, habe ich sofort das Gefühl, dass mir das auch hätte einfallen sollen, so einfach ist es. Und doch ist es mir entgangen. Es ist ihm eingefallen, nicht mir.

Nichts ist so schwer wie das Einfache. Dieser Mensch ist im Stande, mit drei verschiedenen Tönen die Welt zu beschreiben. Mit einem einzigen Akkord erschafft er ein Paradies aus dichten Stimmungen. Er atmet Musik, die durch ihn hindurchgeht und seinen Körper durch die Hände wieder verlässt. Sie legt sich über meinen Geist und teleportiert mich in andere Welten.

Ohne seine Werke wäre ich heute nicht derselbe Mensch.